Cigars of the week: LA AROMA DEL CARIBE Base Line | Inmensa (Toro Gigante)


Es ist so weit. Ich leide an Humidordemenz. Was das ist, wird vielleicht der eine oder andere Aficionado wissen: Da schaut man in seinen Humidor, um sich die nächste Zigarre zu suchen und findet ein Exemplar, dass einem - obwohl man glaubt einen guten Überblick zu haben und der eigene Humidor kein Schrankformat hat - die letzten Male immer wieder entgangen ist. Und dann nimmt man das Fundstück heraus, wendet es zwischen den Fingern und fragt, sich, wie es dahin gekommen ist. Eine Erfahrung, die wohl jeder kennt, der mehr als nur ein paar Zigarren bei sich daheim lagert.

Persönlich hatte ich immer angenommen, einen einigermaßen guten Überblick über meinen kleinen Klimaschrank zu haben, wurde heute jedoch eines Besseren belehrt. Und wie das so ist: Wenn man die Zigarre dann einmal in der Hand hat, kann man sie eigentlich auch gleich anschneiden und einem Test unterziehen. Vielleicht fällt einem währenddessen ja ein, wie das gute Stück zwischen den anderen Zigarren gelandet ist...

Kerndaten

Hersteller: Don Pepin Garcia
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: Toro Gigante
Einlage:  Nicaragua
Rauchdauer: 120 Min
Preis: 6,20 € / Stk  (Stand Dezember 2017) 

Grundlegendes

Je mehr ich die Zigarre zwischen den Fingern wendete, umso mehr fiel mir auch wieder über sie ein. Schnell kam ich darauf, woher ich sie hatte (nämlich aus der besten Lounge der Welt) Und von da an versuchte ich zu rekonstruieren. Die Information, wo ich die Zigarre eingekauft habe, brachte mich nicht sonderlich weit, denn wenn ich ehrlich bin, decke ich mehr als 90% meines Bedarfs über den laden in Recklinghausen. Also ein bisschen recherchiert - und schnell ging mir wieder auf, warum die Zigarre bei mir gelandet war: Es handelte sich um einen Puro aus Nicaragua. Jetzt begann es endlich irgendwo in meinem Kopf zu schellen. Auch wenn es gute Zigarren aus anderen Regionen der Welt gibt, ist Nicaragua für mich unbestritten immer noch auf Platz 1.

Hinter LA AROMA DEL CARIBE steckt Don Pepin Garcia und es handelt sich um eine Zigarre, die schon einige zeit auf dem deutschen Markt ist. Wenig verwunderlich gibt es daher auch drei Linien, wobei es heute um die grundlegendste geht, die Base Line. Hier haben wir es mit sechst Formaten zu tun, die preislich alle zwischen knapp sechs und maximal sieben Euro liegen. 

Praxistest

Wie immer geht es mit der Optik und der Haptik los. Auffällig ist, dass es sich bei der vorliegenden Zigarre um ein relativ dunkles Exemplar handelt, jedenfalls verglichen mit die anderen Stücken in meinem Humidor. Mit 5.75 x 60 handelt es sich um eine wuchtige Zigarre, die mir gut zwischen den Fingern liegt und schon allein wegen ihres Ringmaßes einiges hermacht. Das Deckblatt wirkt leicht ölig und ist an einigen Stellen auffällig grob, echte Fehler konnte ich jedoch nicht erkennen. Der Zigarrenring kommt in einer Optik daher, die wohl bewusst an frühere Zeiten erinnern soll. Für mich jetzt kein Hingucker, aber über Geschmack lässt sich streiten. Verschandelt wird die Zigarre damit keinesfalls.

Zeit, die Aromen auf sie wirken zu lassen. Beim Kaltgeruch und dem Trockenzug erkannte ich zwar die für Nicaragua so übliche Würze, sie schien mir aber keinesfalls so kräftig, wie ich sie bei anderen Puros in Erinnerung hatte. Natürlich kann das bei einer nicht-angefeuerten Zigarre immer täuschen. Der Zugwiderstand war beinah optimal (ein wenig zu schwergängig um wirklich optimal zu sein) und ich schmeckte erste Eindrücke von Creme, Süße und Frucht, etwas was ich bei einem Puro nicht erwartet hatte und was mich positiv überraschte.

Aber eine Zigarre soll ja geraucht und nicht nur begutachtet werden. Nach kleineren Problemen bei der Flammabnahme - nichts, was man mit einem ordentlichen Jetflame nicht hätte beheben können - brannte und qualmte die LA AROMA DEL CARIBE gut. Während ich auf den ersten Zügen glaube, kräftige, pfeffrige Noten zu erschmecken, kehrte sich das noch binnen der ersten zehn Züge ins Gegenteil um. Der Rauch wurde sanft und cremig, die Aromen tendierten zu einer fruchtigen Süße, hier und da von nussigen Akzenten durchsetzt. Ich hielt es nur für eine Phase, und erwartete bei jedem Zug, dass die Zigarre ihr wahres Gesicht zeigte, doch dem war nicht so. Anders, als ich es von Nicaragua erwartete, erwies diese Zigarre ich als ein mildes Leichtgewicht, dass jedoch auch nach dem ersten aromatischen Wunder spürbar eindimensional blieb.

Der Abbrand war einigermaßen gleichmäßig, die Asche heftete auffallend lange an der Glut und erwies sich auch nach dem Abfallen als recht stabil. Ein Nachfeuern war während des gesamten Verlaufs nicht notwendig.

Fazit

Was haben wir hier also? In meinen Augen eine relativ milde (ich bin zuweilen geneigt, es sogar als leichte zu bezeichnen) Zigarre, die handwerklich gut verarbeitet ist. Das Rauchvolumen hätte für meinen Geschmack kräftiger sein können, die Neigung zu milden, cremigen und fruchtig-süßen Aromen hat mich ziemlich erstaunt. Es handelt sich um eine leckere und preiswerte Zigarre, vorausgesetzt natürlich, man weiß zu Beginn, auf was man sich da eingelassen hat. Wer pures Nicaragua erwartet, der könnte im ersten Moment enttäuscht werden. Ich vermute aber, dass diese Enttäuschung nicht lange anhält. 



Wertung: 7/10

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