Cigars of the week: Gurkha Heritage | Toro


Bei der letzten Durchsicht meines Humidors fiel mir auf, dass sich dort eine ganze Menge Zigarren aus dem Hause Gurkha angesammelt haben. Wenig verwunderlich, denn vor einigen Monaten hatte ich doch mal ganz großspurig gesagt, dass ich mehr aus dem Portfolio des Hauses hier auf dem Blog testen will - ähnlich wie auch bei Alec Bradley. Aber wie das so ist: Zu viele Zigarren, zu wenig Zeit. Irgendwie ist aus diesem Vorhaben nichts geworden, zumindest bisher nicht.

Grund genug, es sich also wieder vorzunehmen. Daher wanderte die Heritage auch schleunigst aus dem Humidor in meine Finger. Ob es eine gute Wahl war oder eher nicht, könnte ihr hier lesen.

Kerndaten

Hersteller: Gurkha
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: Toro
Einlage:  Dominikanische Republik, USA, Nicaragua
Rauchdauer: 90 Min
Preis: 10,50 € / Stk  (Stand Dezember 2017) 


Grundlegendes

Viel ist schon über Gurkha gesagt worden und ich möchte mich nicht Einreihen und dem Aficionado Dinge erzählen, die er so oder in leicht veränderter Form schon an vielen anderen Stellen im Netz gelesen hat. Eines kann man aber unbestritten festhalten: Gurkha ist in den vergangenen Jahren mit Vehemenz auf den markt gedrängt und der Leitspruch "Nicht kleckern, klotzen!" scheint irgendwie das Firmenmotto zu sein. 

Die Zigarrenschmiede zielt ganz klar das hochpreisige Premium-Segment der Zigarrenbranche an. Wer das nicht glauben mag, der nehme sich ein paar Minuten Zeit und durchforste doch bitte das Internet auf der Suche nach den teuersten Zigarren der Welt. Er wird bei Gurkha landen und einem sündhaft teuren Preis für eine einzelne Zigarre. Nun kann man natürlich sagen, dass es sich dabei nur um Markerting handelt und wahrscheinlich steckt da auch etwas Wahrheit drin. Wenn aber ein Hersteller seine Zigarren selbst als Rolls Royce unter den Zigarren sieht, dann ist das eine Aussage. 

Aufgefallen sind mir die Gurkha-Zigarren seinerzeit durch einzigartige Aufmachung (Banderolen aber auch Kisten) und dem damit verbundenen Image. Man kann also sagen, dass die Leute bei Gurkha es verstehen, so zu werben, dass sie sich von der Masse abheben. Aber das ist ja nur einer (und hoffentlich der kleinere) Teil des Handwerks. Bei den inneren Qualitäten von Zigarren geht es eben nicht mehr um schöne Label... 

Praxistest

Optisch und haptisch handelt es sich bei der Heritage in diesem Format um eine sehr gefällige Kreation. Mit Abmessungen von 6,5 x 54 liegt die Zigarre mir gut zwischen den Fingern und wirkt einigermaßen wuchtig. Dank der Verpackung in Zedernholz mit grünem Band wirkt die Heritage Edel, die Bauchbinde trägt ebenfalls dazu bei. Es handelt sich auch hier um ein kleines, edles Kunstwerk. Wie schon oben angesprochen: Von Marketing versteht man bei Gurkha so einiges und ich würde mir wünschen, dass andere Hersteller sich davon eine Scheibe abschneiden würden. Wenn die Hülle aus Zedernholz entfernt ist, erkennt man eine handwerklich ordentlich verarbeitete Zigarre mit ebenmäßigem, leicht öligem Deckblatt. In diesem Bereich weiß Gurkha schon einmal zu punkten - aber es hätte mich auch sehr verwundert, wenn es anders gewesen wäre. 

Sprechen wir mal über die Aromen. Das Trockenaroma ist einigermaßen erdig mit ein bisschen Würze. Die ein oder andere holzige Note verbirgt sich ebenfalls in der Zigarre, wobei Kritiker nun behaupten könnten, dass dies Ergebnis der Zedernhülle wäre. Einerlei. Nach dem Anschnitt - der Zugwiderstand war für meine Verhältnisse optimal - schmeckte ich feinwürzige Aromen, die ich Nicaragua zuordnen würde. Aber da war noch ein bisschen mehr: Süße, Creme und ein wenig Frucht, wenngleich bestenfalls untergründig. 

Nach der Bearbeitung mit dem Jetflame zeigte sich ein bekanntes Bild. Für mich sind Zigarren aus dem hause Gurkha echte Nebelkerzen, also im positiven Sinne. Ich habe selten Zigarren erlebt, die mehr Qualm erzeugen. So war es auch bei der Heritage, wenngleich es einige Exemplare anderer Linien gibt, die das noch einmal besser draufhaben. Auf den ersten zehn oder fünfzehn  Zügen gibt die Toro jedenfalls eine merkliche (wenn auch nicht unangenehme) Schärfe ab, die mich  an meinen im Kaltzug erschmeckten Eindrücken zweifeln ließ. Der Rauch hatte dabei aber gleichzeitig eine irgendwie angenehme Cremigkeit. Wenn das erste Stück abgebrannt ist, geht der Anteil an Pfeffer spürbar zurück, Creme und Süße treten in den Vordergrund. Hin und wieder gibt es leichte Noten aus Holz und ein bisschen Leder. Dabei bleibt es dann eine ganze lange Zeit. Hier sind wir an dem Punkt angekommen, an dem sich die Geister scheiden werden. Manche Leute mögen hoch komplexe Zigarren, bei denen jeder Zug neue Nuancen hervorbringt und eine Geschmacksexplosion der nächsten folgt. Andere wiederum bevorzugen einigermaßen geradlinige Zigarren. Ich persönlich denke, dass es eine Frage der Tagesstimmung ist. Wie auch immer: Mir hat der Mittelteil der Heritage gefallen, immerhin weiß man da, was man hat. Schade, wenn jemand seine Zigarre deswegen schon verärgert weglegt, denn wirklich aufblühen tut die Heritage noch einmal, wenn es dem letzten Drittel entgegengeht. Dann nämlich entwickelt sich eine feine Süße die an einen Hauch Schokolade erinnert, am meisten aber an Lebkuchen. Gefiel mir persönlich sehr gut. 

Über den Abbrand kann ich nichts Schlechtes berichten, bei mir war er gleichmäßig und zuweilen sogar nadelscharf. Ein Nachfeuern war nicht notwendig. Die Asche ist an der Glut selbst einigermaßen Stabil, wenngleich sich damit auch keine Türme bauen lassen. Einmal abgefallen erweist sich die Asche dann aber als sehr flockig. 

Fazit

Mir hat die Heritage gefallen. Es ist andererseits aber auch keine Zigarre, die mich in Begeisterungsstürme versetzt oder zu Lobgesängen in den höchsten Tönen ansetzen lässt. Es ist eine gute Zigarre, die durchaus vermag, einen Hauch von Exklusivität zu verbreiten. In meinem Humidor haben ein paar dieser Zigarren jedenfalls ihren festen Platz gefunden - wahrscheinlich weil ich ihre Art von Unkompliziertheit mag. Rohkrepierer gibt es bei Gurkha nach meiner Auffassung gar nicht und wenn ich eben eine Zigarre suche, die ich angenehm "nebenher" rauchen  kann, ohne mir zu große Gedanken über Abbrand und Aromen machen zu müssen, dann ist die Heritage eine gute Wahl. 

Wertung: 8/10 

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