Cigars of the week: Davidoff Winston Churchill The Late Hour | Robusto


Ich gebe es gerne zu: Zu Beginn des Jahres war mein Verhältnis zu Zigarren aus dem Hause Davidoff nicht sonderlich gut. Ich war und bin der Überzeugung, dass man anderweitig viel bessere Zigarren zu weitaus günstigeren Preisen bekommen kann. Aber in 2017 hatte ich dann auch Gelegenheit, meine generell eher negative Meinung über Zigarren aus eben diesem Hause zu revidieren. Nach einigen sprichwörtlichen Gurken habe ich im September die Winston Churchill probiert und war (abgesehen von Preis) ziemlich begeistert. Und wie das so ist: Zur Messe in diesem Jahr erschien dann die The Late Hour unter dem gleichen Label. Der Vollständigkeit halber musste ich doch zuschlagen, oder?

Und dann kam das Glück hinzu. Vor einigen Wochen schneite mir Post von cigarworld ins Haus, darin einige Zigarren zum testen. Darunter war auch eine Robusto der besagten Linie und ich nahm das als ein Zeichen das gute Stück nun wirklich testen zu müssen. Hier dann also...

Kerndaten

Hersteller: Davidoff
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: Robusto
Einlage:  Dominikanische Republik
Rauchdauer: 90 Min
Preis: 19,20 € / Stk  (Stand Dezember 2017) 


Grundlegendes

Während Gurkha die tatsächlich teuersten Zigarren der Welt in seinem Portfolio hat, fehlt der stetig wachsenden Marke das Prestige, über das Davidoff verfügt. Das lässt sich an einem ganz einfachen beispiel beweisen: Wenn jemand, der keine Ahnung von Zigarren hat einen Zigarrenladen betritt um eine Zigarre als Geschenk zu kaufen, dann fragt er nach Davidoff oder Cohiba. Beide Marken haben es geschafft, auch in den Kreisen der Nichtraucher zu einem Begriff zu werden. Bei Gurkha ist das (noch?) nicht so. 

Ob dieser Ruf verdient ist oder nicht, sollen andere entscheiden (und ich bin mir sicher, dass diese Frage auch Ausgangspunkt zahlreicher und langer Diskussionen ist), sicher ist aber, dass die Marke sich einen Nimbus aufgebaut hat, von dem sie noch heute umweht wird. ich kenne eigentlich keine andere Marke, der derartig der Hauch des Besondern und Exklusiven anhaftet, wie Davidoff. Und natürlich lässt man sich diesen Ruf gut bezahlen: Dem herkömmlichen Aficionado treiben die Preise, die für die Produkte aus dem Hause Davidoff aufgerufen werden in Regelmäßigkeit die Tränen in die Augen. Ob eine Zigarre die Summen auch immer objektiv wert ist, ist natürlich schwer zu beurteilen, jeder legt andere Maßstäbe an.

Die vorliegende Zigarre jedenfalls hat schon eine kleine Geschichte. Unter dem Label Winston Churchill hat Davidoff bereits 2008 Zigarren lanciert, die aber 2014 aufgrund ihres bestenfalls mäßigen Anklangs wieder vom Markt genommen wurden. Nachfolger wurde jene Linie, die ich bereits im September vorgestellt habe. Und hiermit landete Davidoff dann einen Volltreffer, die Linie ist derartig beliebt, dass man sich überlegt hat, noch einen draufsetzen zu müssen und eben die Lathe Hour ins Leben rief.

Eine etwas andere Deckmachung, ein offensichtlich anderes Deckblatt - über die Einlage vermag ich nicht viel zu sagen. Alles in allem eine schöne Zigarre, sollte man meinen. 

Praxistest

Man kann viel über Davidoff sagen (und es müssen nicht immer die höchsten Töne sein), doch handwerklich gibt es an den Produkten nichts auszusetzen. Die Robusto präsentiert sich als echter Hingucker mit einem gleichmäßigen, seidigen Deckblatt. Der Zigarrenring ist in Schwarz gehalten, die Silhouette von Winston Churchill in Gold aufgebracht. Ein kleines Stück darunter gibt es einen zweiten, schmalen Ring, der darüber informiert, dass es sich bei der vorliegenden Robusto um eine Late Hour handelt. Allein dadurch gelingt es, dem Produkt schon die notwendige Erhabenheit zu geben, um aus der Masse im Humidor hervorzustechen - und das ganz ohne aufdringliche Banderole. Mit einem Ringmaß von 52 hat man bei diesem Stückt spürbar etwas zwischen den Fingern, die Länge von 5 Zoll sorgt dafür, dass einem diese Zigarre gut zwischen den Fingern liegt. Es fällt auf, dass die Nebenlinie der Winston Churchill Zigarren etwas kürzer ist. Dort bringen es die Robustos immerhin auf 5 1/4 Zoll - übrigens bei einem knapp 2 Euro günstigeren Preis. Ich bin mir schon im Klaren darüber, dass der Preis wahrscheinlich durch das höherwertige Deckblatt gerechtfertigt wird, doch möchte ich trotzdem darauf hinweisen.  

Zeit für den Kaltgeruch und den Trockenzug. Während andere Vertreter aus dem Hause Davidoff mir vor dem Anzünden beinah nichtssagend vorkamen, ist es bei der Late Hour ganz anders - Das Zusammenspiel aus Ecuador (Deckblatt), Mexiko (Umblatt) und eben der Dominikanischen Republik  lassen die Zigarre würzig und komplex wirken. Im direkten Vergleich mit ihrer "normalen" Schwester bleibt die Robusto aber etwas dünner zurück.  Der Kaltgeruch mit erdigen Noten lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Nach dem Anschnitt zeigte sich, dass der Zugwiderstand perfekt war. Wie schon gesagt, handwerklich versteht man bei Davidoff, wie Zigarren gerollt werden müssen. Im Trockenzug schmeckte ich Holz und Nuss, ein wenig Süße gesellte sich ebenfalls dazu. Von den durch den Hersteller angepriesenen Nuancen habe ich nicht so viel gefunden - aber so ist das eben immer mit Werbung, oder?   

Zeit für das Feuer. Die Flammabnahme war erstklassig, der Aschering vom ersten Zug an perfekt. Late Hour gibt beachtlichen Rauch von sich (wenn subjektiv gesehen auch weniger als die normale Winston Churchill), eine Nebelkerze ist es jedoch nicht. Der Rauch ist weich und cremig. Wer Wucht bei dieser Zigarre erwartet, der sollte vielleicht zu anderen Stumpen greifen: Die Robusto ist eher mild. Aromatisch überraschte mich die Mischung aus Schokolade, Nuss und Röstaromen. Die Erde war während des Rauchens interessanterweise nicht so vordergründig, wie ich es erwartet hatte. Im Verlauf zeigte sich Süße, drängte sich aber niemals in den Vordergrund. Ab dem zweiten Drittel nimmt die Stärke dieser Zigarre ein wenig zu, wird aber nicht unangenehm. Ein bisschen Pfeffer kommt auch dazu, aber er passt sich gut in die vorhandenen Aromen ein. Ab dem letzten Drittel mischt sich - kaum verwunderlich - etwas Bitterkeit in den Rauch. Dennoch gelingt es der Zigarre, derartig lecker zu bleiben, dass man sie eigentlich bis zu den Fingern rauchen könnte.



Die Asche der Zigarre ist stabil und haltbar, die Glut verläuft gleichmäßig. Probleme mit dem Abbrand hatte ich keine - und auch ein nachfeuern war nicht notwendig.

Fazit

Eine schöne Zigarre mit einem auffällig hohen Preis. Vor einigen Jahren hätte ich solche Zigarren schon aus Prinzip nicht angerührt, denn der Preis war mir einfach viel zu hoch. Die subjektive Frage bei einer Zigarre für über 19 Euro ist natürlich, ob das Erlebnis diesen Preis wert ist. 

Dies lässt sich nicht objektiv klären. Ich will es mal so sagen: Ich habe Zigarren in dieser Preisklasse geraucht, die merklich schlechter waren, ich habe teurere Zigarren geraucht, die nach meinem Empfinden einen gerechtfertigt höheren Preis hatten. In diesem Fall komme ich zu folgendem Schluss: Die Late Hour schmerzt im Geldbeutel und das noch mehr als ihre Ursprungslinie. Wenn ich ehrlich bin, hat mir die Urspungslinie auch besser gefallen, ganz abgesehen vom spürbaren Preissprung, der zwischen beiden Linien vorhanden ist. Eine schlechte Zigarre ist es nicht, ich halte sie nur für stark überteuert, gemessen an dem Erlebnis, das man durch sie hat. 

Wertung: 7/10 

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