Cigars of the week: Romeo y Julieta | No 1


Mit kubanischen Zigarren ist das so eine Sache: Sie teilen die Aficionados in zwei lager. Entweder man schwört auf Kuba und 95% des eignen Bestandes sind solche Zigarren - oder man kann Kuba nichts abgewinnen und 95% des Bestandes sind aus anderen Regionen. Die Zahlen sind natürlich übertrieben, doch die Richtung stimmt.

Auch in meinem Humidor nehmen kubanische Zigarren gerade einmal ein Fach von acht möglichen ein. Im Grunde habe ich in all den Jahren eine Zigarre aus der Region gefunden, die mir zusagte. Die anderen sind deshalb nicht schlecht (das muss ich wohl schreiben, bevor man mich steinigt), sie treffen einfach nicht meinen Geschmack.

Das vorliegende Exemplar stammt aus einem Sampler, den mir einige Auszubildende zum Abschluss ihrer Ausbildung geschenkt haben. hat mich total gefreut - natürlich viel mehr als der obligatorische Strauß Blumen, den man sonst zu solchen  Anlässen bekommt. Nach einigen Monaten im Humidor finde ich jetzt also die Zeit...

Kerndaten

Hersteller: Romeo y Julieta 
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: No 1 (Corona) 
Einlage:  Kuba
Rauchdauer: 45 Min
Preis: 7,60 € / Stk  (Stand Januar 2018) 


Grundlegendes

Was könnte ich nun über eines der ältesten Traditionshäuser für Zigarren schreiben, was nicht an anderer Stelle schon viele hundert Male geschrieben wurde? Jeder, der länger als ein paar Wochen Zigarren raucht, wird schon einmal von RyJ gehört haben. Neben Cohiba handelt es sich eben um das kubanische Schlachtschiff schlechthin.

Und letztlich - da kommt meiner Meinung nach eben auch viel des Prestiges her - muss man sagen: Wer es schafft, sich über 150 Jahre zu behaupten und heute immer noch Zigarren zu produzieren, der kann ja eigentlich nicht so viel falsch gemacht haben. Völlig richtig, Nur leider schafft eine so ruhmreiche Geschichte natürlich auch Erwartungshaltungen. RyJ-Zigarren müssen einfach gut sein, wie hätten sie sich denn sonst so lange halten können?

Hier kommt natürlich wieder hinzu, dass kubanische Zigarren gerade in den letzten Jahren nicht die besten Eigenschaften gesammelt haben. Ich will gar nicht sagen, dass es sich um schlechte Tabake handelt (das würde mir nie einfallen) - die Crux scheint eben die Produktion zu sein. Wer sich ein wenig mit den Umständen auseinandersetzt, unter denen auf der Insel Zigarren produziert werden, der kann sehr schnell auch Rückschlüsse auf die Qualität kubanischer Zigarren ziehen. Und so entsteht das Problem: Was helfen mir Zigarren aus den mutmaßlich besten Tabaken der Welt, wenn ich innerhalb einer Kiste gleich ein paar Blindgänger habe? Es macht eben kein Spaß, wenn sich eine Zigarre anfühlt, als würde man einen Golfball durch einen Gartenschlauch saugen müssen. 

Praxistest

Die beruhigende Nachricht vorweg: Das vorliegende und verköstigte Exemplar war keines der gefürchteten Blindgänger. Der Durchzug war gut, sogar besser, als ich ihn erwartet hätte.

Im Hinblick auf die Optik und Haptik der No 1 kann ich wenig Schlechtes bereichten. Beim Deckblatt hatte ich nicht so viel Glück, es hatte einige unsaubere und grobe Stellen - aber das kann vorkommen. Die Verarbeitung war davon abgesehen einwandfrei. Die No 1 hat ein Coronaformat, und entspricht etwa 5,5 x 40. Da ich in der Regel Robusto und aufwärts rauche, war das kleinere Ringmaß ein wenig gewöhnungsbedürftig. Wie bei den meisten mir bekannten Kubanern fällt der Zigarrenring eher dezent aus, man hat fast das Gefühl, diese Zigarren wollen einem vom ersten Moment an vermitteln, dass sie es gar nicht nötig haben, durch anderen Hingucker von sich zu überzeugen. Abgesehen davon war diese Zigarre griffig und nicht so stramm gerollt, wie ich es bisher bei anderen Exemplaren von der Insel gewohnt war.

Der Anschnitt gelang mir nicht ganz problemlos, was ich aber auf meine Kappe nehme. Da ich eben sonst Formate mit größerem Ringmaß rauche, passierte es mir hier, dass ich die Schere etwas zu weit vorne ansetzte und eine kleine Beschädigung des Deckblatts hatte. Den Rauchgenuss hat das nicht getrübt. Kaltgeruch und Trockenzug hatten die von mir erwartete Charakteristik einer kubanischen Zigarre: Erde, Holz und Nuss mit der passenden Portion Würze. 

Zeit fürs Feuer. Die No 1 ist keinesflass eine rauchstarke Zigarre, im Vergleich zu vielen anderen von mir verköstigten Zigarren ist die Rauchentwicklung eher bescheiden. Dafür ist das Volumen ganz angenehm. Was die Aromen angeht, so musste ich nicht lange auf die Würze warten, welche ich von Kubanern gewohnt war. Spannend waren allerdings die anderen Aromen, denn neben einer konstanten, wenn auch untergründigen Creme waren es nussige und holzige Töne. Immer wieder sprang eine angenehme Süße hindurch, die sehr mit der Creme harmonierte. Zum Ende des zweiten Drittels der Zigarre nimmt der Pfeffer zu, wer mag, kann an dieser Stelle noch mal degassieren.

Hervorheben möchte ich den Abbrand, der beinahe nadelscharf war. Ein Nachfeuern der Zigarre war zu keinem Zeitpunkt notwendig. Die Asche war, wie bei den meisten Kubanern, die ich bisher rauchen konnte, relativ dunkel und hielt sich nicht lange an der Spitze.

Fazit

Die RyJ No 1 hat mich überrascht. Es war eine bessere Zigarre, als ich erwartet hatte, wenngleich sie eine andere, von mir sehr geliebte Kubanerin nicht vom Thron verdrängen konnte (Upmann Magnum 50). Für die No 1 gilt, dass sie unkompliziert zu rauchen ist und relativ gleichförmig. man weiß hier also vom ersten Moment an, was man bekommt.

Alles in allem eine schöne Zigarre und wer auch schon für relativ überschaubares Geld einmal einen Geschmack von Kuba auf der Zunge haben will, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Vorausgesetzt natürlich, man erwischt kein Montagsmodell.   

Wertung: 7/10 

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