Writing: 20

Die ersten sechs Titel des Jahres 2017...

In knapp zwei Stunden ist es so weit: Mit Hijacker erscheint nicht nur der dritte Band der Carter-Akten, sondern gleich auch mein zwanzigstes Buch.

Das muss auch ich erst einmal einen Moment sacken lassen.

Zwanzig mal haben es Ideen von mir aus meinem Kopf zwischen zwei Buchdeckel geschafft.
Zwanzig mal hatte ich die Gelegenheit, zu erzählen.
Zwanzig mal die Chance, Leser in eine andere Welt zu entführen und ihnen eine schöne Zeit zu bereiten.
Zwanzig mal kribbelte es beim ersten Wort auf dem Papier.
Zwanzig mal war da das wohlige Gefühl, wenn das letzte Wort stand.
Zwanzig mal die bange Frage, wie eine Geschichte ankommt.
Zwanzig mal die Freude über die ersten Feedbacks.

Ich könnte so weiter machen und wäre morgen noch nicht fertig. Es ist für mich gar nicht so einfach, alles in Worte zu fassen, was mir gerade durch den Kopf schwirrt. Ich will aber eins besonders sagen: Es ist ein großartiger, ein einzigartiger Moment. Ich glaube, er wird lange Zeit in meinem Kopf bleiben - und er wird immer gut sein.

Etwas mehr als drei Jahre ist es her, da erschien das erste Buch von mir. Ich bin dem Mantikore-Verlag  dankbar dafür, mir damals den Beginn dieser spannenden Reise ermöglich zu haben. Ich greife heute immer noch gerne in das Regal und nehme The Rising heraus, um ein paar Zeilen darin zu lesen. Würde ich diese Geschichte heute immer noch so erzählen? Wahrscheinlich nicht mehr. Lese ich sie trotzdem gerne? Natürlich. Innerhalb von drei Jahren hat es im eigenen Stil halt eine solche Entwicklung gegeben, dass ich heute anders auf den Text sehe. Aber das ist auch völlig normal, schlimm wäre es ja, wenn man seinen ersten Wurf immer noch für den besten aller Zeiten handelt. Es ist ja genau anders: Es ist der bestmögliche Wurf vergangener Zeiten.

... und die nächsten sechs Titel des Jahres.
Die Reise, die 2014 begann, nahm langsam Fahrt auf und war den üblichen Zwischenstopps und Längen geprägt. Natürlich gab es Momente, in denen ich überlegte, einfach alles zu Seite zu legen. Momente, in denen ich mit dem Lektorat und dem Verlag so in den Köpfen hatte,  dass ich schmeißen wollte. Aber wie sagt man so schön? In der Krise beweist sich der Charakter. Das ist natürlich hoch gegriffen und viel pathetische zitiert, als ich es im Moment für angemessen halte, aber es geht schon in eine Richtung. Ich glaube, Rückschläge gehören dazu und sie sind unheimlich wertvoll, wenn es darum geht, sich zu entwickeln und den eigenen Stil zu formen.

2015 und 2016 waren für mich die Jahre in denen ich so viel gelernt habe. Nicht nur schreiberisch, denn das kommt ganz automatisch. Mit jedem Wort, mit jedem Satz, mit jedem Absatz und mit jeder Seite - man wird ganz automatisch besser. ist eben wie beim Training einer Sportart. Ich habe viel über Menschen gelernt, über "Freunde", über "Lektoren" über "Geschmack" über den Handel über "Profis" und über "Laien". Es waren Erfahrungen, die mir die Augen geöffnet haben und manche Dinge heute in einem anderen Licht sehen lassen. Auch das ist ein Prozess, der notwendig war. Heute sehe ich vieles gelassener. Ich traue mir zu, gut genug zu wissen, was ich schreiben kann und was Leute lesen wollen. Ich nehme mich nicht für wichtiger als andere Leute - und ich würde es begrüßen, wenn wir es alle so tun würden.

2016 nahm dann alles irgendwie Fahrt auf. Nach einem weiteren Band der Rising-Reihe (Neue Fronten) und zwei Einzelbränden, an denen ich mich ausprobieren konnte (Arcadia und Lincoln County Lockdown) wagte ich den Sprung in ein Genre, in das ich seit langem (auch als Leser) gemieden hatte: Fantasy. Mit Kaisersturz habe ich den Auftakt meiner ersten Trilogie ins Rennen geworfen - und merkte damals erstmalig den Sog, den Geschichten ausüben können. Die Folgebände (Exil und Schicksal) entstanden innerhalb von Monaten, sodass ich bereits Ende 2015 Vollzug melden konnte. Leider hat es dann gedauert, bis die Trilogie vollständig erschien, aber das packe ich unter Erfahrungen, die man eben macht und aus denen man lernt.

Ende 2016 gab es acht Bücher von mir auf dem Markt - und schon damals nannten mich einige Leute einen wahnsinnigen Vielschreiber. Etwas, was ich übrigens niemals selbst wirklich so gesehen habe. Tatsächlich gibt es Zeiten in meinem leben, da halte ich mich für sehr langsam und unproduktiv. Aber wir haben wohl alle unsere Macken...

Und dann gab es den großartigen Kontakt mit dem Papierverzierer. Eigentlich wollte ich nur ein Manuskript dort unterbringen (Vita) - und was daraus wurde, habt ihr in 2017 selbst erlebt. Aus einer flapsigen Bemerkung (etwas: "... das Jahr hat zwölf Monate, ich hätte zwölf Slots für dich...") entwickelte sich dann das Projekt 12 in 12. Ich kündigte es im letzten Jahr um diese Zeit an und wurde (wenig verwunderlich) für verrückt erklärt. Manche Stimmungen in der Szene bemerkt man erst, wenn man ambitioniert an seine Projekte geht, habe ich das Gefühl. Ich möchte all jenen noch einmal sagen: Wir alle haben unserer Tempo. Ich bin kein Maßstab für jemanden und andersherum auch nicht. Wer allerdings der Meinung ist, dass ein Buch nicht "gut" sein kann, nur weil der Autor daran keine Monate oder Jahre gesessen hat, der geht völlig fehl.

Jedenfalls kam 2017 anders als erwartet. Nachdem vier Bücher, die ich an anderer Stelle platziert hatte (möglicherweise schreibe ich innerhalb der nächsten Wochen noch ausführlich dazu, ich merke, wie mir das unter den Fingern brennt), musste ich umplanen. Denn es ist doch so: Ich kann nicht das Zeil 12 Bücher in 12 Monaten ausgeben und dann nicht liefern. 2017 war also viel arbeitsreicher als gedacht, denn die Bücher, die ich eigentlich erst für 2018 geplant hatte, mussten vorgezogen (und geschrieben) werden. Und am Ende - in knapp zwei Stunden - hat alles funktioniert.

12 Bücher in 12 Monaten.
20 Bücher in 3 Jahren.

Und ich merke, dass ich noch lange nicht am Ende bin. Bisher war es eine so großartige Reise und ich merke, wie weitere Geschichten in mir brodeln, wie sie mich an die Tastatur bringen und dafür sorgen, dass ich wenig schlafe und schreibe. Krankhaft? Vielleicht ist es das. Aber wieder möchte ich diesbezüglich ein Zitat bemühen:  "Gesundheit ist dasjenige Maß an Krankheit, das es mir noch erlaubt, meinen wesentlichen Beschäftigungen nachzugehen." (Nietzsche)  

Diese Reise geht weiter und am Ende des längen  - und für mich einigermaßen emotionalen - Textes möchte ich mich noch bedanken.

Danke, dass ihr mich begleitet habt.
Danke, dass ihr an mich geglaubt habt.
Danke, dass ihr mir den Rücken gestärkt habt.
Danke, dass ihr Zeit hattet.
Danke, dass ihr mir diese Chance gabt.
Danke für jedes klare Wort
Danke für jedes Lob.
Danke für Kritik.

Danke euch allen.

Die Reise geht weiter. Geht doch ruhig noch ein paar Jahre mit mir. Ich gebe mir Mühe, dass es gute Jahre werden.

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