Cigars of the week: Zino Classic | No. 1


Heute mal ein Beitrag zu einer kleinen Rarität - zumindest in der vorliegenden Form. Am vergangenen Freitag ergab es sich, dass ich unter den Zigarren meines Stammhändlers (Kargl, der besten Lounge der Welt, wenn mich jemand um meine bescheidene Meinung fragt) noch eine halbe Kiste der Zino No. 1 fand. Und da ich seinerzeit einmal die No.5 hier im Blog hatte und sie mir eigentlich als gute Zigarre in Erinnerung geblieben war, nutze ich die Chance und griff zu. Ob es sich gelohnt hat, werden wir heute sehen...

Kerndaten

Hersteller: Zino
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: No. 1
Einlage:  Dominikanische Republik, Nicaragua
Rauchdauer: 40 Min
Preis: 9,00 € / Stk  (Stand Dezember 2017) 

Grundlegendes

Wie jeder Aficionado weiß, sind die Zigarren von Zino eng verbunden mit denen von Davidoff - kaum verwunderlich, wenn doch Zino Davidoff den Ursprung legte, oder? In meinen Augen ist es so: Beide Marken schießen in Richtung der gleichen Zielgruppe, Zino kommt (zumindest in der Classic-Serie) ein wenig günstiger daher. Schlechter sind die Zigarren deswegen keinesfalls, im Gegenteil. Je mehr Zinos ich rauche, umso mehr komme ich zu dem Schluss, das Vieles bei Davidoff eben nur die Marke ist.

Wie auch immer. Hier also eine Zigarre in einem für mich sehr unüblichen Format, denn es handelt sich um eine relativ lange Zigarre mit einem sehr dünnen Ringmaß. In bestimmten Kreisen gehen diese Dinger als "Nuttenstengel" durch. Ob das die angemessene Bezeichnung ist, mag jeder für sich selbst entscheiden, richtig ist aber, dass ein so kleines Ringmaß erst einmal gewöhnungsbedürftig ist, wenn man normalerweise vom Robusto aufwärts raucht.

Praxistest

Anhand der Kiste und der Preise darauf konnte ich ausmachen, dass ich relativ alte Zigarren zwischen den Fingern hatte. Die Charge stammte von 2002, womit es sich für mich schon um ein beträchtliches Alter handelte. Mir ist natürlich bewusst, dass es dort draußen eine Menge Aficionados gibt, die ältere Zigarren gesehen und geraucht haben, ich gebe aber zu bedenken, dass die alle auch eine ganze Ecke älter als ich sind. Wie auch immer: Die Kiste war über die Jahre optimal gelagert, optisch und haptisch zeigten die Zigarren sich in einem erstklassigen Zustand. Hier machte sich wieder bemerkbar, aus welchem Hause die Laubrollen stammten, denn an der Verarbeitung gab es für mich nichts auszusetzen, auch die Rollen erschien mir angemessen. Man kann also festhalten, dass es sich um eine überaus gut gealterte Zigarre handelt.

Im Hinblick auf die Aromen liefern Kaltgeruch und Trockenzüg Eindrücke von Holz und Würze, meiner Meinung nach ist der Tabak aus der Dominikanischen Republik damit markant im Vordergrund. Ein wenig Creme war gleich zu erahnen, daher freute ich mich schon darauf, das gute Stück dem Feuer zu übergeben.

Die Jetflame machte kurzen Prozess und es zeigte sich, dass die No. 1 rauchbar war. Das schmale Ringmaß hingegen war für mich überaus gewöhnungsbedürftig, der Zugwiderstand ist schon allein deswegen ein anderer als bei herkömmlichen Formaten. Zu Beginn hatte ich ein wenig das Gefühl von Golfball durch Gartenschlauch, spätestens aber mit einem Nachschnitt hatte sich dieser Makel dann aber erledigt.Vom Rauchvolumen war ich im ersten Moment begeistert - die No. 1 macht wirklich viel Dampf (oder es fällt wegen des Ringmaßes auf) und auch so hat der Rauch eine nette Cremigkeit vorzuweisen. Geschmacklich ist das so eine Sache: Holz bleib dominant, dazwischen ein paar Nuancen Erde und ein bisschen Leder, ab dem zweiten Drittel dann auch eine feine Säure. Nun hatte ich bereits die No. 5 geraucht und hatte eine Vorstellung davon, was mich erwarten würde. Tatsächlich schaffte die No. 1 es, die gestellten Erwartungen diesbezüglich zu erfüllen.

Über den Abbrand weiß ich nichts Schlechtes zu berichten. Er war gleichmäßig, manchmal nadelscharf. Ein Nachfeuern war nicht notwendig. Die Asche war relativ kompakt, wenn sie sich auch nicht lange an der Glut halten konnte.       
      

Fazit

Durchaus eine schöne Zigarre und jeder, der die Gelegenheit hat, noch eine Hand darauf zu bekommen, dem würde ich raten, die paar Euro einmal zu investieren. Ob die aktuelle No. 1 (gut zu erkennen an der Bauchbinde in rot statt in gold/schwarz) ähnlich gut ist oder es Unterscheide gibt, vermag ich natürlich nicht zu sagen. Meine Empfehlung bezieht sich daher auf die alte Reihe. Für mich ein sehr schönes Stück, bei dem ich mich ärgere, nicht mehr als eine halbe Kiste habe ergattern zu können. 

Wertung: 7/10


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